Vom Pausenhof zum Ruhestand
Nach der Kindheit nebst Schule, der Gastronomie (erster erlenrter Job – 10 Jahre), dem Wehrdienst – und am Ende 35 Jahre im selben Boot. Ein Rückblick zum selben Boot. 😉
Weißt du noch, wie sich der Anfang der 1990er Jahre anfühlte? Berlin war im Umbruch, die Mauer war frisch gefallen, alles schien möglich, aber nichts war wirklich sicher. Wer damals ins Berufsleben startete, brauchte Mut, Ausdauer und manchmal eine gehörige Portion Hartnäckigkeit.
Wenn man heute, nach genau 35 Jahren, den Deckel draufmacht und in den wohlverdienten Ruhestand geht, schaut man auf eine Zeit zurück, die alles andere als eine gerade Linie war. Es war ein echtes Abenteuer. Mit unerwarteten Wendungen, verpassten Chancen, die sich am Ende als absolute Glücksfälle entpuppten, und Begegnungen, die alles veränderten. Komm mit auf eine kleine Zeitreise durch dreieinhalb Jahrzehnte einer ganz besonderen Firmenkarriere.
Der holprige Start in der Rungestraße
Alles begann Anfang 1991. Der Plan stand: Eine Bewerbung bei unserer Firma in Berlin, direkt in der Rungestraße, beim Chef der Öffentlichkeitsarbeit. Das Gespräch lief, die Hoffnung war groß – und dann kam die Absage. Ein herber Schlag? Klar, im ersten Moment tut so etwas weh. Aber Aufgeben war schlicht keine Option. Weißt du, wie das ist, wenn man eine kleine Familie zu ernähren hat? Da fragt man nicht lange nach verletztem Stolz, da packt man an.
Im Oktober 1991 folgte also der zweite Anlauf. Bloß nicht lockerlassen. Und siehe da: Es klappte! Wenn auch erst einmal nur auf Sparflamme. Ein befristeter Vertrag für ein mageres Vierteljahr in der Prüfabteilung ZA in der Zillestraße. Nicht gerade der Traum vom sicheren Hafen, aber ein Fuß in der Tür.
Und manchmal reicht dieser eine Fuß. Schon im Januar 1992 kam der Chef der Prüfabteilung um die Ecke und fragte ganz direkt, ob denn „Lust“ auf eine Weiterbeschäftigung aka Entfristung bestünde. Die Antwort? Ein absolut erleichtertes „Ja, natürlich gerne!“. An dieser Stelle muss einfach ein riesiges Dankeschön raus an alle damaligen Kolleginnen und Kollegen der Prüfabteilung ZA. Die Aufnahme im Team war herzlich, die Zusammenarbeit großartig.
Und eine ganz besondere Person muss hier genannt werden: „meine“ Walli. Ohne sie wäre der Start dieser ganzen Karriere wohl ganz anders verlaufen.
Das Teufelszeug namens Computer und das Sofa-Studium
Es sind oft die kleinen Ratschläge im Alltag, die die ganz großen Steine ins Rollen bringen. Walli war es, die damals sagte: „Mensch, mach doch das Fernstudium zum Staatlich anerkannten SoFa (Sozialversicherungsfachangestellten).“ Gesagt, getan. Doch der Weg dorthin glich einem bürokratischen Hindernislauf.
Während das Studium anlief, ergab sich eine interne Stellenausschreibung. Wo? Ausgerechnet in der Öffentlichkeitsarbeit. Und jetzt kommt der Witz: Es war genau der gleiche Chef, der ein gutes Jahr zuvor die Absage erteilt hatte. Auf die scherzhafte Rückfrage, ob er sich denn noch an 1991 erinnern könne, wollte oder konnte er sich natürlich nicht mehr erinnern. Aber egal, diesmal war die Bewerbung erfolgreich.
Kaum war der Wechsel in die Öffentlichkeitsarbeit vollzogen, folgte der nächste Dämpfer. Die Chefetage wollte die Fortsetzung des Fernstudiums plötzlich verbieten. Die Begründung: Man arbeite ja nun nicht mehr in einem sogenannten „Kernbereich“ der Firma. Klingt absurd? War es auch. Nur unter hartnäckiger Einbindung der Personalvertretung durfte die Ausbildung schließlich fortgesetzt werden.
Ein Segen, wie sich später zeigen sollte. Denn in den Folgejahren hieß es bei jeder anlassbezogenen Frage zu Vergütungssteigerungen immer sofort: „Hat er eine Fachausbildung?“ Da war er, der begehrte Zettel.
Das Paradoxon des Erfolgs: Das Fernstudium zum SoFa wurde erfolgreich abgeschlossen. Und wie viele Tage wurde im gesamten Leben als SoFa gearbeitet? Nicht ein einziger! In der Rückbetrachtung war das aber auch verdammt gut so.
In der neuen Abteilung wartete nämlich ein ganz anderes Kaliber von Aufgabe: der Aufbau einer computergestützten Lagerverwaltung.
Man muss sich das mal bildlich vorstellen: Wir reden hier von den 90er Jahren. Heute hat jeder ein Smartphone in der Tasche, aber damals galt „PC & Co.“ in den Augen vieler Kollegen noch als absolutes Teufelszeug.
Die Etablierung des neuen Systems bei den Nutzern war ein echter Kraftakt. Es brauchte Engelsgeduld, um den Menschen die Angst vor den grauen Kisten zu nehmen. Aber am Ende lief das System – und es lief verdammt gut.
Das Kantinen-Headhunting um 22:00 Uhr
Wie macht man eigentlich Karriere? Durch jahrelanges, braves Warten auf der Stelle? Manchmal passiert es stattdessen abends um zehn in einer Kantine bei einem kühlen Bier.
Es war eine Abendveranstaltung in der Hauptverwaltung (HVW) in der Berliner Wilhelmstraße. Die Stimmung war locker, als plötzlich ein älterer, bis dato völlig unbekannter Herr am Tisch stand. Er fragte ganz direkt, ob man sich am nächsten Tag mal in seinem Büro sprechen könnte. Verwunderung hoch zehn. Aber man sagt natürlich nicht Nein.
Dieses Gespräch entpuppte sich als der absolute Quantensprung. Der Mann war kein Geringerer als der Leiter der Abteilung „Druck und Papier“ (was man heute wohl als Verwaltung ohne Immobilien bezeichnen würde). Er hatte Wind davon bekommen, was da in der Öffentlichkeitsarbeit für ein modernes, computergestütztes System aus dem Boden gestampft wurde. Seine Frage war simpel: „Können Sie das auch für meine Abteilung machen?“
Auf die logische Gegenfrage, was denn dabei für einen selbst herausspringe, lächelte der ältere Herr nur und meinte, darüber solle man sich mal keine Gedanken machen. Das war Wort gehalten! Innerhalb von nur 14 Tagen – ja, so schnell ging das damals bürokratisch wirklich noch – war der Vertrag unterzeichnet.
Es war der Startschuss für den echten Aufstieg in der Firma. Von da an wurden unzählige EDV-Systeme für die Verwaltung und das gesamte Unternehmen aufgebaut und weiterentwickelt. Und das Schöne daran: Es geschah fast immer auf direkten Wunsch und nach Bitten der Kollegen an der Basis. Praxisnah, von Mensch zu Mensch.
Zwischen Abwerbungsversuchen und dem Chefposten
Wenn du deine Sache gut machst, spricht sich das herum. Auch außerhalb der eigenen Firma.
Bei der unternehmensweiten Einführung eines CAFM-Systems (Computer-Aided Facility Management) lief die Zusammenarbeit mit dem externen Softwarehaus so erfolgreich, dass prompt ein Angebot eintrudelte.
Headhunting die Zweite, diesmal von extern.
Das Angebot hatte es in sich: Die verantwortliche Leitung der Region Nordost in Deutschland. Der Job klang wahnsinnig reizvoll, die angebotene Bezahlung war außergewöhnlich hoch. Wer kommt da nicht ins Grübeln?
Doch statt heimlich den Abgang zu planen, wurde das Angebot offen beim obersten Chef auf den Tisch gelegt. Und der reagierte prompt: Auf so eine tragende Säule wollte er nicht verzichten – und untermauerte das mit der „Androhung“ von mehr Geld. Am Ende stand die Entscheidung: Ich bleibe.
Ein absoluter Glücksfall, wie sich gut zwei Jahre später herausstellte: Die externe Firma war pleite und ging in die Insolvenz. Richtige Entscheidung, richtiges Bauchgefühl!
Der absolute Meilenstein folgte, als der eigene Chef signalisierte, dass er in den Ruhestand gehen wollte. Der eigentliche „Kronprinz“ für die Nachfolge hatte abgesagt. Da saß man nun im Büro des Chefs und bekam die Frage aller Fragen gestellt: „Können Sie sich vorstellen, meinen Job zu übernehmen?“
Nach zwei Tagen Bedenkzeit und intensiven Gesprächen zu Hause fiel die Entscheidung: Zusage. Und zack – Beförderung zum Geschäftsbereichsleiter (GB-Leiter) Verwaltung der Berliner Firma.
Vom befristeten Vierteljahres-Vertrag bis ganz nach oben. Wer hätte das 1991 gedacht?
Fusionswellen und der spürbare Wandel
Doch die Arbeitswelt bleibt nicht stehen, und im Berliner Raum schon gar nicht. Es kamen die Jahre der großen Strukturveränderungen.
Erst die Fusion zur Berlin-Brandenburger Firma – ein Schritt, der rein organisatorisch erst einmal den formellen Verlust der Position des GB-Leiters bedeutete. Später folgte dann die nächste Megafusion zur heutigen Nordost-Firma, inklusive Mecklenburg-Vorpommern.
Jede Fusion brachte neue Aufgaben, aber auch ständige Positionsverschiebungen und vor allem permanente Standortwechsel mit sich.
Hauptverwaltung Wilhelmstraße, Rungestraße, Neue Bahnhofstraße – die Kisten wurden gefühlt ständig ein- und wieder ausgepackt.
Mit den Strukturen wechselten auch die Chefs. Und das war jedes Mal aufs Neue ein spannendes „Experiment“.
Wie standen die neuen Vorgesetzten zum Thema IT-unterstütztes Arbeiten? Wie hielten sie es mit der Wertschätzung der Mitarbeiter?
Es gab Phasen von echter, tiefer Anerkennung für die geleistete Arbeit. Aber es gab eben auch die anderen Zeiten – Phasen, in denen man das gefühlte Ausbleiben jeglicher Unterstützung und Wertschätzung ertragen musste.
Trotzdem wurde die Liste der Aufgaben und Ämter über die Jahre immer länger und vielseitiger. Es ging nie nur darum, einen Dienst nach Vorschrift abzuleisten. Da steckte Herzblut drin:
- Ausbildungskoordinator: Den Nachwuchs an die Hand nehmen und fit für die Zukunft machen.
- Dozent im firmeneigenen Bildungszentrum: Wissen weitergeben, statt es zu horten.
- Ehrenamt: Fünf Jahre lang als ehrenamtlicher Schöffe am Strafgericht zu Berlin – ein Blick über den Tellerrand des Büroalltags hinaus.
- Assessment-Center: Aktive Mitwirkung bei der Auswahl neuer Talente für das Unternehmen.
- Unternehmensweite Großprojekte: Federführende Einführung und Administration von Systemen wie CAFM (Aperture), eProcurement (SAP), E-POST oder Raum- und Arbeitsplatzbuchungen (raum[für]raum).
- Feuerwehr spielen: Temporäre Teamleitung übernehmen, wenn die eigentliche Führung plötzlich ausfiel.
Der Entschluss des Abschieds: Das Leben wartet nicht
Wenn man die letzten Jahre Revue passieren lässt, muss man leider auch ehrlich sein.
Die Kommunikation und die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Firma ließen spürbar nach – sowohl bereichsübergreifend als auch im eigenen direkten Umfeld. Wer Missstände immer wieder offen anspricht und merkt, dass die Themen schlicht ignoriert werden, zieht irgendwann seine Konsequenzen.
Am Ende des Berufslebens zieht man Bilanz. Es ging immer darum, Eigeninitiative zu zeigen. Manchmal musste man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, ein Bier zur rechten Stunde trinken oder eben mutige Entscheidungen treffen.
Und genau so eine Entscheidung steht jetzt an: der vorgezogene Entschluss des Abschieds.
Es ist schlicht nicht mehr die Firma, die man einst kennengelernt, aufgebaut und geschätzt hat. Und weißt du was? Arbeit ist verdammt noch mal nicht alles im Leben.
Da draußen wartet die Familie, da warten die Hobbys. Es ist Zeit, das Leben zu genießen – und zwar so weit und so lange, wie es eben geht.
Ein tiefer, ehrlicher Dank gilt all den Weggefährten (auch Externe), Kolleginnen und Kollegen von der Basis. Diejenigen, die die tägliche Arbeit für sie immer ehrlich wertgeschätzt haben.
Für euren weiteren Weg im Unternehmen ein herzliches und kräftiges: Glück auf!

Ein stiller Nachklapp
Der allergrößte Dank dieses ganzen 35-jährigen Abenteuers geht jedoch an eine Person, die heute nicht mehr da ist: an meine Mutter.
Sie war es, die damals im Jahr 1991 die Stellenanzeige sah und sagte: „Bewirb dich da.“
Und sie war es, die den Grundstein für die gesamte „IT-Karriere“ überhaupt erst gelegt hat.
Sie kratzte damals stolze 2.000 DM zusammen, ging zu Vobis und schenkte mir den legendären Euro-PC von Schneider. Ohne diesen Kasten auf dem heimischen Schreibtisch wäre der Einstieg in die Computerwelt nie passiert.
Ein trauriger, aber unendlich dankbarer Blick geht heute nach oben zum Himmel.
Danke für alles.
Das nächste Kapitel beginnt jetzt.

(M)ein Nachklapp 😉
Der Blick von Außen
Etwas Musik gefällig? 😉
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