Wat haste jemacht … in den Clubs der Stadt

Lesezeit: 3 Minuten

…die damals in der Regel noch Jugendclubs hießen. 😉

Ja, man will es ja eigentlich nicht glauben, aber auch der Autor war mal jung und auf der Piste unterwegs.

Es war die Zeit, in der der Ost-Berliner Heranwachsende mit seinen Freunden Diskotheken, Clubs und andere Etablissements „unsicher“ machte.

Wir wohnten im Bezirk Mitte, sehr Nahe an der Berliner Mauer und so war unser „Wirkungskreis“ quasi nur von Nord über Ost nach Süd vorgezeichnet. Natürlich gab es auch hier (und das nicht zu knapp) ein Angebot vom Arbeiter- und Bauernstaat für die zukünftigen verdienstvollen Werktätigen. 😉

Selbstverständlich statteten wir zuerst den Clubs in unserem direkten „Einzugsgebiet“ einen Besuch ab, wenn überhaupt möglich. Oft gab es auch die knappe Ansage: „Ihr heute nicht!“. Die Frage nach dem WARUM wurde damals (wie sicherlich auch heute) entweder überhaupt nicht beantwortet oder man hörte sich die fadenscheinigsten Begründungen an:

  • heute keine Jeans
  • heute keine Kletter-/Turnschuhe
  • sind schon zu viele Jungs drinne
  • etc.

Ich weiß garnicht, warum die Tür vom Berghain heutzutage als die härteste Tür Berlins „gefeiert“ wird – bei uns war quasi überall Berghain. 😉

Unser Stammlocations waren seiner Zeit das Ahornblatt, der BEWAG-CLub und der Büsching-Club.

Jeder dieser Clubs hat so seine eigene Geschichte und Geschichten.

Das Ahornblatt (quasi Großraumdisko und leider vor Jahren abgerissen) war schwer rocklastig und wenn überhaupt getanzt wurde, dann überwiegend mit Headbanging in der Jungsgruppe oder Stehblues, mit dem Ziel, die Hände auf dem Gesäß der Tanzpartnerin „unbemerkt“ landen zu lassen. Als Erfrischungsgetränk gab es eigentlich nur 1/2-Liter-Bechergläser mit Gerstensaft.

Der BEWAG-Club befand sich auf dem Gelände des gleichnamigen Energieversorgers nahe der Friedrichstraße und somit in direkter NachbarSchaft zum Grenzverlauf und zum Reichstag. Hier gab es eigentlich Disco auf 2 Etagen (oben und im Keller). Unser Ziel war allerdings immer der Keller. Wenn das nicht ging, ging man erst einmal nach oben, um später den Versuch, nach unten zu gelangen, erneut zu starten. Motto: drinne ist drinne. 😉

Nach einiger Zeit waren wir Stammgäste und somit entspannten sich auch diese Eintrittsformalitäten. Der sogenannte Hausdrink blieb mir bis heute in Erinnerung. Dieser bestand aus 4 cl Klosterbruder, 4 cl Wodka und zur Farbgebung Cola. Der Erste war nie einfach, denn er schmeckte einfach nur nach Medizin – danach lief er gut die Kehle runter. Natürlich gab es auch hier Bier … nur nicht den ganzen Abend, weil es einfach schnell alle war. Da hieß es des Öfteren vom befreundeten Barkeeper: „Ihr solltet euch jetzt einen kleinen Vorrat anlegen“. Das taten wir dann auch „brav“ und so saß jeder von uns gerne mal vor 3 1/2 Liter Gläsern Bier. 😉

Über den Zustand am nächsten Tag schweigt der Autor aus Respekt vor den Lesenden. 😉

„Prägend“ für mich, einige meiner Freunde und sogar meiner Schwester war der Büsching-Club im schönen Bezirk Friedrichshain.

Dieser Club war quasi „familiengeführt“, will sagen… alle die in diesem Club irgendetwas zu sagen hatten, gehörten zu einer Familie. Das wussten wir bei unserem „Antrittsbesuch“ selbstredend nicht und so mussten wir alle unsere Erfahrungen machen – jeder für sich und jeder eine andere (Insider). 😉

Diese Erfahrungen waren leider des Öfteren, für den einen oder anderen von uns, der Grund für eine „schöpferische“ Pause… in diesem Club.

Eines Tages fragte mich meine 2 Jahre ältere Schwester, ob sie nicht mal mit uns mitkommen könnte. Nach einer kurzen Abstimmungsrunde unter uns Kerlen erhielt sie die „Prokura“ uns zu begleiten. 😉

Dieser Tag (und irgendwie auch ich) ist dafür verantwortlich, dass ich einen wundervollen Schwager habe. Denn den lernte meine Schwester an diesem Abend kennen. Heute sind beide immer noch verheiratet und Großeltern. 😉

Neben den hier genannten Clubs waren natürlich noch viele andere Tanzböden in den Ostberliner Bezirken nicht vor uns sicher. Entscheidend war meist nur die Frage, welche Ausrede der „Doorman“ diesmal hatte, um den größten Tänzern unter Gottes Sonne den Eintritt zu verwehren. Eins war für uns eigentlich immer klar, verkleiden werden wir uns nicht … also nicht so ganz. 😉

Hier mal eine kleine Auflistung der Lokalitäten (kein Anspruch auf Vollständigkeit nach so vielen Jahren) 😉

  • Jugendclubs
    • Büsching-Club
    • BEWAG-Club
    • Frie62 (Friedensstraße)
  • Klubgaststätten/Multifunktionsgaststätten (Funktionswürfel)
    • Ahornblatt
    • Saalbau Friedrichshain
    • Storkower Straße
    • Murzahner Ring
    • Lichtenberger Wappen
  • Gaststätten/Restaurants
  • Sonstiges
    • Haus der jungen Talente (HdjT)

Bei der Recherche zu diesem Blog kamen ein paar schöne Erinnerungen hoch. Auch eine kleine Umfrage bei den damaligen Mitstreiterinnen und Mitstreitern zauberte mir ab und zu ein Lächeln in mein greises Gesicht. Da kam die eine oder andere vergessene Story hoch, die ich allerdings hier nicht erzählen möchte, denn diesen Blog könnten auch Kinder lesen. 😉

ES WAR EINFACH EINE GEILE ZEIT MIT SUPERCOOLEN LEUTEN – DANKE DAFÜR


Hier gehts zur Storyline von “wat haste jemacht mit dein leben”


P.S.
Frage: Warum machst Du das?
Antwort: Damit ich mir später meine eigenen Geschichten aus meinem eigenen Leben durchlesen kann, falls ich sie vergessen haben sollte.
– also purer Egoismus 😉


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2 Kommentare

  1. Hallo Gernot,
    vielen Dank für diesen amüsanten Einblick in die Clubkultur der DDR. Danke auch für die vielen interessanten, witzigen und klugen Beiträge der vergangenen 12 Monate.
    Ich wünsche dir ein gesundes und glückliches 2021.

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