Warum Bonsai und nicht Briefmarken

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Na, was treibst du so in deiner Freizeit? Du hast so gar keine Ahnung, was dir Spaß machen könnte? Dann mach‘ einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit und überlege, was dir als Kind Spaß gemacht hat.

Nun ja, es war nicht das Kindes-/Jugendalter, da gab es nichts anderes als SPORT und das exzessiv, Handball 15 Jahre. Aber Natur wurde mir von meiner Mutter (Biologielehrerin und Gartenbesitzerin) quasi ans Herz bzw. in die “Wiege” gelegt. Ach ja, Briefmarken gab es auch… aber nur GANZ kurz 😉 boa ist das langw…….. 😉

“Warum schnippelst Du so gerne an den armen Bäumen rum und was Du da sonst noch machst…dass ist doch nicht normal, oder?”

Das ist eine Frage, die ich mir sehr oft anhören darf. Antwort: wer es nicht macht, wird es nicht/nie verstehen. Aber wehe, man hat es gemacht…Obacht…Suchtgefahr! Wenn ein(e) Partner/in im Spiel ist….zwingend abzustimmen oder es sehr clever “erklären”…. was auf die Dauer nicht wirklich geht….weil…. die Gefahr einer Baumschwämme permanent gegeben ist.

Mein erster Baum war und ist ein Ficus Benjamina. Diesen habe ich mir 1988 zum Einzug in die erste gemeinsame Wohnung gekauft. Dieser war seinerzeit eigentlich ein drei stämmiger Ficus. Danach war lange Zeit Funkstille zum Thema Bonsai. Aber an diesem Beispiel sieht man sehr deutlich, was Geduld/Zeit mit einem Baum machen kann.

Das Ziel des “Bonsaianers” ist es, aus einem unbearbeiteten, rohen Baum oder Busch über Jahre einen Baum im Kleinformat zu gestalten, der den Betrachter an eine Landschaft aus seiner Erinnerung denken lässt.

Der Morgenblick

Ich gehe jeden Morgen und Abend durch meinen Bonsaigarten und finde immer wieder etwas an möglichen, zu tätigenden Veränderungen.

Ein Bonsai ist ein kunstvoll gestalteter Baum in einem schönen, ästhetisch passenden Gefäß. Baum und Schale bilden zusammen eine Einheit.

Soweit die Lehrmeinung. Ich halte mich an Grundregeln, was die Pflege und den Aufbau angeht, mache dann aber auch gerne mal mein Ding.

Ich bin nun schon ein paar Monde in dem Bonsaigefilde unterwegs und es ist wie immer und bei allem: drei Fragen – vier Antworten/Meinungen.
Auch die Profis/Bonsainerds streiten sich manchmal wie die Kesselflicker, um die beste Herangehensweise oder Lehrmeinung. Aber irgendwann muss man sich entscheiden und seinen eigenen Weg gehen. Dabei sollte man nie verlernen, auf Hinweise oder Tipps anderer zu hören.

Mit der Zeit hört man eher den leisen Fachleuten zu, die ihre Bäume, aber auch ihre Erfahrungen eher temperiert zeigen bzw. erläutern. So kristallisiert sich für einen der eine oder andere Themen-Leader heraus, ob nun im Netz oder in der Realität.

Das Betrachten eines Bonsai kann ein zutiefst meditativer Moment sein, klingt komisch, ist aber so.
Leider muss man sich selbst immer wieder zu diesen Momenten zwingen, um diese zu zelebrieren. Warum? Weil man immer etwas findet, was es zu verbessern gibt. Sofort greift man zu Schere, Zange oder sonst was..

Gerade in unserer hektischen, von Stress geprägten Zeit, wird die Beschäftigung mit Bonsai für mich zum Mittel, um meine Batterien wieder aufzuladen – den “normalen” Lebensrhythmus wieder zu erspüren.

Nach stressigen Arbeitstagen kann man so richtig abschalten und den Alltag vergessen.
Einfach die Ruhe und Harmonie in Einklang mit sich selbst bringen, das ist es was ich brauche und was die Faszination von Bonsais ausmacht.

Obwohl „Bonsai“ eine asiatische Kunst ist, die seit vielen Jahrhunderten betrieben und verfeinert wurde, glaubt Ihr selber nicht, dass Ihr in der Lage seid, selbst einen heranzuziehen?

Tatsächlich ist jedermann problemlos in der Lage einen Baum zu gestalten, solange man die richtige Baumart für seine jeweilige Umgebung auswählt und gewissenhaft pflegt.

Die Beweggründe dafür sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Der eine ist fasziniert von der asiatischen Kultur und kreiert mit der entsprechenden Dekoration seine eigene Tokonoma (eine speziell um den Bonsai gestaltete Nische) – der andere wiederum wird von Experimentierfreude gepackt. Ich gehöre zur zweiten Gruppe und mir sind dann manchmal die Regeln egal. Getreu dem Motto: “Das geht nicht.” – dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.”… mache ich mein eigenes Ding.

Durch diese Art gehören Fehlschläge, aber auch sehr positive Überraschungen, zu meinen “täglichen” Begleitern. Auch musste ich Geduld lernen und es hat sich gelohnt (da behielten die “Alten” natürlich recht, wie bei so Vielem 😉 )

Zum Ende sei natürlich auch erwähnt, dass man sich Hilfe von Experten (wenn lokal verfügbar) auch direkt ins “Haus” holen sollte. Ich habe das Glück einen Bonsainerd zu kennen und diesen nicht nur als Bonsaifreund ansprechen zu können. Auch Besuche bei Workshops oder andere Gruppenarbeiten haben eine besonderen Reiz. Ich selber bin nicht so der Vereinsmensch, sehe dennoch die Vorteile von Gruppendynamik und deren Möglichkeiten.

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