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Der Blog von Gernot Austen

Wat haste jemacht … der Junge wollte auf’s Wasser

Was macht ein Halbstarker, wenn ihm langweilig ist? Er sucht sich eine Beschäftigung. In den Zeiten als wir noch jung und schön waren (heute sind wir nur noch “und” 😉 ), taten sich da andere Dinge auf, als heute.

Der Junge (Ronald) von nebenan im Garten meiner Mutter in Neu-Zittau hatte ein kleines 2er Faltboot. Er lud mich des Öfteren ein, ihn aktiv zu begleiten und den vorderen leeren Platz zu besetzen. Diese Angebote nahm ich oft und sehr gerne an. Er hatte sogar ein kleines Segel. Wir probierten das mal auf dem Dämeritsee aus … ich sag mal so … schön ist anders.

Da unser Pachtgrundstück sehr nahe der Spree war, wurde diese Art der Beschäftigung sehr schnell zur willkommenen Abwechslung des Wochenendtrips.

Auch hatten wir mit seinem Boot ein Kentererlebnis auf dem Dämeritzsee. Ronald dachte schon, dass sein Boot auf den Grund gesunken war, aber ich hatte es noch zu packen bekommen und hielt es unter Wasser fest. Alle Motorsportboote fuhren achtlos an uns vorbei. Gott sei Dank halfen uns dann Segler aus der Misere und brachten uns sogar bis nach Hause (Neu-Zittau).

Mit der Zeit wuchs bei mir der Wunsch, auch ein eigens Boot zu besitzen. Gesagt (gewünscht) – getan und so kaufte ich mir (unter finanzieller Mithilfe meiner Familie) meinen Reisezweier RZ 85 von Pouch.

Unsere Standardausfahrten brachten uns auf der alten Spree in Fließrichtung oft zum Dämeritzsee oder auch mal zum Müggelsee. Das waren dann schon echte Tagestouren, die am Ende mit einer Fahrt gegen den Strom “belohnt” wurden. Am Ende des Ausfluges wusste man, was man getan hat und hatte somit keine Einschlafschwierigkeiten zur Nacht. 😉


In den Ferien standen dann auch mal eine mehrtägige Fahrten an und ich erinnere mich sehr gerne daran.

Die eine Tour ist mir sehr in Erinnerung geblieben. Sie ging die Spree stromaufwärts Richtung Fürstenwalde, Oder-Spree-Kanal und darüber hinaus.

Hier waren wir zu dritt. Ronald hatte seinen Kumpel Ralf mit eingeladen und es sollte sich noch herausstellen, dass dies eine sehr gute Entscheidung war.

Die Planung der Tour war, aus der heutigen Sicht, aber so etwas von unbekümmert, dass sie eigentlich zum Scheitern verurteilt war, aber es wurde nicht nur gut, sondern fantastisch.

Wie Jungs eben so sind, wurde eher zu wenig als zu viel eingepackt.

  • Boot
  • Zelt
  • Matratze und Schlafsack
  • Campinggeschirr und Kocher
  • ein paar Klamotten
  • und etwas Proviant für den ersten Tag …
  • der Rest wird sich finden, so der Plan

Dann ging es auch schon los. Alles wurde in die Boote (Bug und Heck) verstaut. Ralf saß bei mir im Boot, weil meins das etwas Größere war und bei Ronald (auch ein 2er) wurde der Vordersitz auch noch als Stauraum genutzt.

Wir kamen gut und wunderbar entspannt voran. Die erste Nacht bzw. das erste Einschlafen war sehr speziell. Auf meiner Matratze hatte ich immer noch das Gefühl, im Boot zu sitzen, denn ich spürte das ständige die Wellenbewegungen des Bootes, was natürlich Quatsch war. Ein einfacher Trick brachte mir dann Erlösung. Einfach ein Bein von der Matratze auf den Zeltboden stellen und der Spuck war vorbei und ich schlief den Schlaf der Gerechten.

Unsere Übernachtungsplätze wurden immer mit Bedacht ausgewählt. Möglichst nicht direkt in den Ortschaften, aber dennoch mit möglichem Kontakt zu den “Einheimischen”.

Hier kommt dann auch der Ralf wieder ins Spiel. Ralf war (wahrscheinlich auch noch heute 😉 ) ein Womanizer. Er war ein gut gewachsener junger Kerl, sehr charmant und hatte eine Besonderheit, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Aber genau das war wohl seine stärkste “Waffe”, um für uns unser Ernährungsproblem zu lösen.

Ralfs Augen bzw. die Pupillen sind nicht rund, sondern eher ellipsenförmig, wie bei einer Katze. Wenn Ralf also beim Bauernhof oder bei einer Grillparty anfragte, ob wir, als arme Studenten, etwas bekommen konnten, setzte er seine Sonnenbrille ab und sprach mit den Damen des Hauses sehr einfühlend. Ich kann mich an keinen Misserfolg erinnern, es kam eher die Nachfrage, ob es denn reichen würde.

Unsere Tagestouren hatten natürlich nicht nur Schönes, sondern manchmal auch kritische Phasen zu überstehen.

Da war die Querung durch ein militärisches Sperrgebiet, welches man nur bei Tageslicht machen durfte. Wir stellten uns, mit Blick zur Uhr, die Frage, ob wir das schaffen würden. Die Antwort von drei jungen Kerlen, die nicht aufzuhalten sind, war klar … “Wir schaffen das!”.

Bei hereinbrechender Dunkelheit und den immer wiederkehrenden Schildern am Ufer, wurde uns dann doch etwas mulmig. Wir waren in der Nähe von Fürstenberg und da waren auch unsere Waffenbrüder aus der Sowjetunion stationiert. Aufkommendes Flackern von Taschenlampen im Wald verstärkte dann noch einmal unsere Sorge und wir erhöhten deutlich unsere Schlagzahl.

Um den Spannungsbogen nun etwas zu entlasten… wir haben es dann doch unbeschadet überstanden und wir waren danach natürlich die Geilsten. 😉

Ebenfalls spannend, war die “Auffahrt” von der beschaulichen Spree auf den Oder-Spree-Kanal. Da spielte eine andere Musik, denn hier hatten wir es nicht nur mit der Palette an Sportbooten zu tun, sondern mit übergroßen Lastkähnen.

Der Kanal, der eben noch schön gerade und auch breit erschien, wurde beim Überholvorgang eines dieser Monster auf einmal sehr sehr eng. Die Herausforderung waren hier gar nicht mal die Wellen der Schiffe, sondern eher der Umstand, dass beim Vorbeifahren uns das Wasser buchstäblich unter dem Hintern “geklaut” und dann aber selbstverständlich mit einer großen Welle wieder “zurückgegeben” wurde. Hier musste man höllisch aufpassen, dass einen die Welle nicht gegen das Ufer “schubste”, denn dort warteten Wurzeln und herausragende Äste auf unsere bis dahin jungfräuliche Bootshaut. Kurz um, einmal war dann auch mal, nicht Putz- sondern Flickstunde.

Nach diesen “starken” Eindrücken war die Entscheidung sehr schnell getroffen, hier möglichst schnell durch- und runterzukommen, um unseren Weg auf der beschaulichen Spree fortzusetzen.

Ich weiß heute nicht mehr, was wir eigentlich als Ziel (und somit Wendepunkt) ausgegeben hatten, aber wir mussten uns dann auch mal die Frage stellen: “werden wir das schaffen”? Es war nur eine kurze Überlegung, denn wir waren fast schon die Hälfte unserer geplanten Zeit unterwegs.

Der Ort der Entscheidung, ein Campingplatz mit vielen jungen Menschen und vor allem “Menschinnen,” lud zum Verweilen ein. Wie auf der gesamten Tour, es gab ein kurzes demokratisches Gespräch, eine einvernehmliche Entscheidung, da es alle wollten 😉 und so blieben wir beim Grill, Strandvolleyball (so sagte man damals) und all den netten Menschen.

Der Aufenthalt war nicht wirklich lang, denn die Rückfahrt stand an und wir wussten ja, was uns wie erwartete.

Auch die Rückfahrt hatte schöne und erlebnisreiche Momente, die dann eher der Natur und unserer Gemeinschaft galten. Die Spree war wunderschön, ob nun Fauna oder Flora. Unser Team-Spirit war unvergleichbar, denn schon damals hoffte ich auf eine Wiederholung und auch heute habe ich immer noch so ein glückseliges Gefühl, wen ich an diese Zeit zurückdenke.

Leider haben wir so etwas damals nicht wiederholt. Nun ja, eventuell auch besser, denn eine gute Sache zu toppen ist oft schwierig und geht manchmal auch in die Hose und so habe ich beim Schreiben dieser Zeilen ein breites Grinsen im Gesicht.

Achtung Spoiler: Auch in diesen Tagen überlegt der Greis, ob er sich so ein Aufblaseding beschafft (habe schon mal trocken Probe gesessen), denn er wohnt ja quasi vom Wasser umzingelt und man kann diese Boote mit einem normalen Fahrzeug an jeden Platz in Deutschland oder darüber hinaus in Funktion bringen. Und vielleicht begleitet mich mein Schatzi ja bei den Fahrten – dann wird es eventuell sogar ein 2er. 😉

Warten wir mal ab, noch haben meine Kaufwiderstände die Oberhand … schaun wa mal. 😉


Hier gehts zur Storyline von “wat haste jemacht mit dein leben”


P.S.
Frage: Warum machst Du das?
Antwort: Damit ich mir später meine eigenen Geschichten aus meinem eigenen Leben durchlesen kann, falls ich sie vergessen haben sollte.
– also purer Egoismus 😉


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1 Kommentar

  1. Katrin Testrich-Volz Juni 27, 2020

    Man kann sich gut hineinversetzen in die damalige Zeit.
    Dann machst du jetzt eben auf Womanizer, wie damals der besagte Ralf. Ich finde so ein Gefährt mega genial. Deine “Zweibein” Gefährtin wird mit Sicherheit ebenfalls Gefallen finden.

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